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Von Unsicherheit und Angst frei werden

Von Unsicherheit und Angst frei werden

KAUM etwas wirkt so hilflos wie ein Neugeborenes. Sobald wir das Licht der Welt erblicken, sind wir voll und ganz auf unsere Eltern angewiesen. Wenn wir dann die ersten Gehversuche machen, begegnen uns fremde Leute, die auf uns wie Riesen wirken und uns direkt Angst machen können — auf jeden Fall, solange Mama und Papa nicht in der Nähe sind. Aber sobald wir uns an ihrer Hand festhalten können, ist alles wieder gut.

Die Liebe und Zuwendung unserer Eltern war entscheidend dafür, dass es uns als Kind gut ging. Spürten wir ihre Liebe, gab uns das Sicherheit. Gaben sie uns das Gefühl, etwas gut zu machen, fühlten wir uns stark und konnten uns gut entwickeln.

Als wir größer waren, hatten wir dann gute Freunde, die uns noch zusätzlich Sicherheit gaben. Bei ihnen fühlten wir uns wohl und durch sie wirkte die Schule nicht mehr so bedrohlich.

Stimmt schon: So hört sich der Idealzustand an. Doch nicht jeder hatte eine schöne Kindheit mit vielen guten Freunden. Und nur allzu oft werden Kinder von ihren Eltern vernachlässigt. „Immer wenn ich auf Bildern glückliche Familien sehe, denke ich: ‚Das hätte ich auch gern gehabt‘ “, sagt Melissa *. Und da ist sie ganz sicher nicht die Einzige.

KINDHEIT MIT FOLGEN

Es gibt viele, die in den prägenden Jahren kaum Selbstvertrauen entwickeln konnten. Womöglich fehlte es an Liebe und Zuspruch. Der eine oder andere erinnert sich an ständigen Streit zwischen den Eltern, an die Scheidung und an dieses Gefühl, an allem schuld zu sein. Oder, schlimmer noch, an die verbale oder körperliche Misshandlung durch Mutter oder Vater.

Welche Folgen kann das für Kinder haben? Manche flüchten sich als Jugendliche in Alkohol oder Drogen. Andere wollen irgendwo dazugehören und schließen sich einer Straßenbande an. In der Hoffnung, Liebe und Geborgenheit zu finden, gehen einige schon sehr früh eine Beziehung ein. Doch wenn die vermeintlich große Liebe dann wie eine Seifenblase zerplatzt, ist der junge Mensch oft noch mehr verunsichert.

Selbst wer solchen Problemen entgeht, wächst vielleicht trotzdem mit wenig Selbstwertgefühl auf. „Meine Mutter sagte mir immer und immer wieder, dass ich zu nichts nütze wäre, und ich glaubte das dann auch“, erzählt Ana. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich je Zuneigung oder mal ein Lob von ihr bekommen hätte.“

Doch nicht immer liegen Ängste und Unsicherheit in der Kindheit begründet. Auch traumatische Auswirkungen einer Scheidung, Altersbeschwerden oder sogar das Gefühl, sich hässlich zu finden, können dazu führen. Ganz gleich, was der Grund ist: Es kann einem die Lebensfreude rauben und die Beziehung zu anderen belasten. Was hilft?

GOTT WILL UNS HELFEN

Wir sind nicht auf uns allein gestellt. Für jeden von uns ist jemand da, der uns helfen kann und auch helfen will — und das ist kein Geringerer als Gott.

Und das lässt er uns durch den Propheten Jesaja sagen: „Fürchte dich nicht . . ., denn ich bin dein Gott. Ich will dich stärken. Ich will dir wirklich helfen. Ja, ich will dich festhalten mit meiner Rechten der Gerechtigkeit“ (Jesaja 41:10, 13). Es tröstet doch richtig, zu wissen, dass Gott uns sozusagen an die Hand nehmen möchte. Wir brauchen überhaupt keine Angst zu haben!

Durch die Bibel kann man Menschen kennenlernen, die mit Ängsten zu kämpfen hatten, aber lernten, sich fest an Gott zu klammern. Hanna, die Mutter des Propheten Samuel, fühlte sich als Versagerin, weil sie keine Kinder bekommen konnte. Dafür wurde sie oft schikaniert. Wie viel sie deswegen weinte! Irgendwann hatte sie nicht einmal mehr Appetit (1. Samuel 1:6, 8). Doch dann schüttete sie Gott ihr Herz aus. Und danach verschwanden ihre belastenden Gefühle (1. Samuel 1:18).

David, der viele Psalmen geschrieben hat, durchlebte ebenfalls Zeiten, in denen er sich unsicher fühlte. Über Jahre hinweg wurde er von König Saul gejagt. Er entging nur knapp mehreren Mordanschlägen. Manchmal war es ihm, als würde er in Problemen ertrinken (Psalm 55:3-5; 69:1) *. Trotz allem schrieb er: „In Frieden will ich mich niederlegen und auch schlafen, denn du, ja du allein, o Jehova, lässt mich in Sicherheit wohnen“ (Psalm 4:8).

Hanna und David luden ihre ganze emotionale Last bei Jehova ab, und er gab ihnen Halt und machte sie stark (Psalm 55:22). Und wir heute? Wie können wir das erleben?

MEHR SICHERHEIT FINDEN

1. Jehova als einen Vater kennenlernen, dem man vertrauen kann.

Jesus legte uns dringend ans Herz, seinen Vater, „den allein wahren Gott“, kennenzulernen (Johannes 17:3). Paulus war überzeugt davon, dass „er tatsächlich einem jeden von uns nicht fern ist“ (Apostelgeschichte 17:27). Und Jakobus schrieb: „Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen“ (Jakobus 4:8).

Zu wissen, dass wir einen Vater im Himmel haben, der uns liebt und der sich um uns sorgt, hilft uns, von Ängsten frei zu werden. Natürlich braucht es seine Zeit, dieses Vertrauen aufzubauen. Aber es hilft wirklich, und das können viele aus eigener Erfahrung sagen. Caroline erzählt: „Jehova ist mein Vater geworden und ich habe jetzt endlich jemanden, dem ich sagen kann, wie es in mir aussieht. Das war so eine Befreiung!“

Rachel erinnert sich: „Als ich ganz allein ohne meine Eltern zurückblieb, war es Jehova, der mir Sicherheit gab. Ich konnte ihm alles erzählen und ihn bei meinen Problemen um Hilfe bitten. Und er hat mir auch wirklich geholfen.“ *

2. Eine „Familie“ finden.

Jesus wollte, dass seine Nachfolger einander als Brüder und Schwestern sehen. Er sagte einmal: „Ihr alle [seid] Brüder“ (Matthäus 23:8). Er wünschte sich, dass sie einander von Herzen lieben und sozusagen eine große Familie werden (Matthäus 12:48-50; Johannes 13:35).

Jehovas Zeugen geben ihr Bestes, diese warme, familiäre Atmosphäre in ihren Versammlungen zu pflegen (Hebräer 10:24, 25). Viele empfinden diese Gemeinschaft wie Balsam für die Seele und spüren, wie ihre emotionalen Wunden dadurch heilen können.

„Ich hatte in meiner Versammlung eine sehr gute Freundin, die nachvollziehen konnte, was ich gerade durchmachte“, erzählt Eva. „Sie hörte mir zu, las mir aus der Bibel vor und betete mit mir. Sie kümmerte sich darum, dass ich nicht allein war. Dank ihrer Hilfe konnte ich mir alles von der Seele reden. Durch sie habe ich allmählich meine Sicherheit zurückgewonnen.“ Rachel berichtet von sich: „Ich habe in der Versammlung Ersatzeltern gefunden, die mir Liebe und Geborgenheit gegeben haben.“

3. Auf andere liebevoll zugehen.

Anderen Liebe und Wärme zu schenken, kann dauerhafte Freundschaften entstehen lassen. Jesus sagte: „Geben bedeutet größeres Glück als Nehmen“ (Apostelgeschichte 20:35, Das Buch). Das kann jeder erleben: Je mehr Liebe man gibt, desto mehr bekommt man zurück. Die Empfehlung von Jesus: „Übt euch im Geben, und man wird euch geben“ (Lukas 6:38).

Wenn wir lieben und geliebt werden, fühlen wir uns viel sicherer, denn die Bibel sagt ganz klar: „Die Liebe versagt nie“ (1. Korinther 13:8). „Ich weiß, dass manches, was ich über mich denke, einfach nicht stimmt“, räumt María ein. „Um da wieder herauszukommen, kümmere ich mich um andere und denk dann nicht mehr über mich selber nach. Es gibt mir immer ein gutes Gefühl, wenn ich etwas für andere tun kann.“

FÜR IMMER SICHER

Diese drei Punkte sind keine „Zauberformel“, mit der sofort alles für immer gut ist. Sie können jedoch entscheidend sein. Caroline sagt: „Manchmal fühl ich mich immer noch unsicher, aber mein Selbstwertgefühl ist stärker geworden. Ich weiß, dass ich Gott am Herzen liege, und ich habe viele enge Freunde, die mir Sicherheit geben.“ Rachel geht es ähnlich: „Von Zeit zu Zeit überrollt mich eine Welle der Traurigkeit. Aber ich habe meine Glaubensbrüder und -schwestern, die ich um Rat fragen kann und die mir helfen, das Positive zu sehen. Und das Beste ist: Ich habe einen Vater im Himmel, an den ich mich jeden Tag wenden kann. Und das macht den großen Unterschied.“

Die Bibel spricht von einer neuen Welt, in der sich jeder sicher fühlen kann

Doch das ist noch nicht alles. Die Bibel spricht von einer Zukunft, in der hier auf der Erde alles gut werden wird — einer neuen Welt, in der sich jeder sicher fühlen kann. „Jeder wird ungestört in seinem Weinberg und unter seinem Feigenbaum sitzen, denn es wird nichts mehr geben, wovor er Angst haben muss“ (Micha 4:4, Begegnung fürs Leben). Wir werden uns nie mehr schutzlos fühlen, niemand wird uns mehr irgendetwas Böses tun. Selbst traumatische Erlebnisse „werden nicht in den Sinn gerufen werden“ (Jesaja 65:17, 25). Gott wird mit seinem Sohn Jesus Christus für echte Gerechtigkeit sorgen. Dann können wir uns endlich für immer absolut sicher und geborgen fühlen (Jesaja 32:17).

^ Abs. 5 Namen geändert.

^ Abs. 15 In anderen Bibelübersetzungen kann die Verseinteilung abweichen.

^ Abs. 21 Wer Gott gerne besser kennenlernen möchte, kann bei einem kostenlosen Bibelkurs von Jehovas Zeugen mitmachen.